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Handelsblatt: "IFRS für den Mittelstand" soll internationale Bilanzregeln vereinfachen

03.01.2006 - Die internationalen Bilanzierungsstandards "IFRS" könnten die Nachfolge der HGB-Bilanz antreten, aber deutsche Verbände und Unternehmen sind nach einem Bericht des Handelsblatts dagegen. MittelstandDirekt präsentiert die wichtigsten Thesen.
Die internationalen Bilanzierungsstandards "IFRS" könnten die Nachfolge der HGB-Bilanz antreten, aber deutsche Verbände und Unternehmen sind nach einem Bericht des Handelsblatts dagegen. MittelstandDirekt präsentiert die wichtigsten Thesen.

Familienunternehmer Arnold Kawlath sieht einen unumkehrbaren Trend hin zu den IFRS: "Alle mittelständischen Unternehmen brauchen langfristig Finanzmittel. Die aber gehen früher oder später nur noch an Unternehmen, die nach einheitlichen Standards vergleichbar sind, nämlich nach IFRS", sagte Kawlath gegenüber dem Handelsblatt.


IFRS-Bilanzierungsregeln strenger als HGB

Die IFRS (International Financial Reporting Standards) sind das Kind der 1973 gegründeten und mittlerweile weltweit agierenden Organisation "International Accounting Standards Board" (IASB). In der IASB bestimmen vor allem große Wirtschaftsprüfergruppen, die auf die Angleichung von angelsächsischen und europäischen Bilanzierungsregeln drängen.

Die IFRS gelten bereits 2006 für kapitalmarktorientierte (überwiegend börsennotierte) Unternehmen. Mittelständler fürchten jedoch die Kosten, die mit der Einführung der neuen Standards entstünden.

Nach IFRS müssen auch fiktive Gewinne ausgewiesen werden. Dadurch entstünden Begehrlichkeiten seitens der Kunden und Gesellschafter.

Im Grundsatz sind die IFRS darauf angelegt, Investoren zu informieren und zu schützen. Dagegen verfolgt das HGB das Ziel der Kapitalerhaltung und des Gläubigerschutzes. Den Konflikt begreift Oliver Roth, Vorstand des Wirtschaftsverbandes WSM und Chef der Lemp-Gruppe, folgendermaßen: "Vorsicht kontra Aktualität".

Laut Roth sollen die IFRS in seiner jetzigen Form möglichst hohe Transparenz für Aktionäre und Investoren schaffen. Mittelständer, die nicht börsennotiert sind, ginge es jedoch mehr um die nachhaltige Wertsicherung ihrer Unternehmen. Das Quartalsergebnis eines Unternehmens sei für einen Familienunternehmer weniger wichtig, als für einen Manager, dessen Jahresbonus mit der Quartalsbilanz schwankt, sagt Roth.

Außerdem sind die Bilanzierungsregeln der IFRS strenger als die des HGB. Während die Ordnung des Handelsgesetzbuches (HGB) Grundsätze vorgibt und dem Unternehmer die Interpretation der Einzelfälle überlässt, ist der IFSR eine Sammlung von Einzelfallregelungen. Das schmälert die Interpretationsmöglichkeiten der Unternehmer.


Spezielle IFRS für den Mittelstand

Roth engagiert sich in der Initiative "IFRS für den Mittelstand" im "International Accounting Standard Board". Sein Ziel: "Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass die Mittelstandsbilanzregeln ähnlich kompliziert werden wie die für kapitalmarktorientierte Unternehmen."

Einerseits könne sich ein Familienunternehmen nicht leisten, nach IFRS zu bilanzieren. Andererseits sieht Roth Anpassungsbedarf der IFRS. Die IFRS sollten für den Mittelstand so eindeutig formuliert werden, dass sie mit den nationalen Bilanzregeln in Einklang zu bringen seien, sagt Roth.
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