Leseprobe
Das große Buch der Zitate und Redewendungen
Beim Barte des Propheten (auch: bei seinem Barte) schwören; beim Barte des Propheten!
Die umgangssprachliche Redewendung "bei seinem Barte schwören" bedeutet "etwas feierlich beteuern": Er schwor bei seinem Barte, dass er den Mann noch nie gesehen hatte. - In der Beteuerungsformel "beim Barte des Propheten!" ist wahrscheinlich Mohammed gemeint. Islamischer Brauch war es, beim Schwören den Bart zu berühren: Beim Barte des Propheten, ich habe den Wagen für fünfhundert Mark gekauft.
Des vielen Büchermachens ist kein Ende
Diese Feststellung findet sich bereits im Alten Testament beim Prediger Salomo 12,12 und wird dort als Warnung ausgesprochen: "Und über dem allen, mein Sohn, lass dich warnen; denn des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren macht den Leib müde. Lasst uns die Hauptsumme aller Lehre hören: `Fürchte Gott und halte seine Gebote`" (Prediger 12,12f.). Man zitiert die Bibelstelle gelegentlich scherzhaft angesichts der großen Zahl von Büchern, die jedes Jahr veröffentlicht werden.
Verlorene Liebesmüh
Der Ausdruck ist eine Lehnübersetzung des englischen "Love´s labour´s lost", des Titels eines Lustspiels von Shakespeare. Die Redewendung "verlorene (oder auch: vergebliche) Liebesmüh sein" bedeutet "keiner Anstrengung wert, vergeblich sein".
Ihre Zahl ist Legion
Dieses Zitat geht auf das Neue Testament zurück. Bei Markus 5,9 antwortet der "unsaubere Geist" Jesus auf dessen Frage nach seinem Namen: "Legion heiße ich; denn wir sind unser viele". Mit dem Namen soll in Anlehnung an die Stärke einer römischen Legion von weit über 6000 Mann eine große Anzahl angedeutet werden. Heute wird mit dem Zitat in gehobener Sprache nachdrücklich zum Ausdruck gebracht, dass man eine sehr große, kaum zu überblickende Menge meint.
Ein Wort gibt das andere
Wenn "ein Wort das andere gibt" heißt das, dass es zu einem heftigen Wechsel von Rede und Gegenrede kommt: Erst flachsten sie ganz harmlos, dann gab ein Wort das andere, und plötzlich flogen die Fäuste. - In Walter Jens´ Roman "Der Mann, der nicht alt werden wollte" heißt es: "Als Maria davon erfuhr, stellte sie Fiechtner zur Rede. Ein Wort gab das andere, beide wurden heftig" (S. 98).
Tacheles reden
Das jiddische Wort "tacheles" heißt auf Deutsch "Ziel, Zweck". Wer - umgangssprachlich ausgedrückt - "Tacheles redet", kommt also ohne Umschweife, ganz offen und deutlich auf das zu sprechen, worum es ihm geht: Mit diplomatischen Floskeln kommt man hier nicht weiter, in dieser Sache muss endlich Tacheles geredet werden! - In Wolfgang Gabels Roman "Fix und fertig" heißt es: "(...) so verliebte junge Dinger wie du bringen es ja nicht fertig, notfalls auch mal Tacheles mit dem Geliebten zu reden" (S. 154).
Man hat schon Pferde kotzen sehen [und das direkt vor der Apotheke]!
Die umgangssprachliche Redensart wird im Sinne von "nichts ist unmöglich!" gebraucht: Felix, der Star unseres Teams gefeuert??! - Tatsache! Man hat schon Pferde kotzen sehen - und das direkt vor der Apotheke!
Wissen ist Macht
Dieses Schlagwort, das bezeugt, dass derjenige, der Wissen besitzt, zugleich eine bestimmte Macht hat, gegenüber anderen im Vorteil ist, geht auf den englischen Philosophen Francis Bacon (1561-1626) zurück. Bacon gründet seine Philosophie auf Erfahrung anstelle von Spekulation. Beobachtung und Experiment waren für ihn die Grundlagen und die Quelle des Wissens. Er wurde so zum Wegbereiter der Naturwissenschaft. Das Zitat findet sich in seinem literarischen Werk, den "Essays", die er nach dem Vorbild des französischen Philosophen und Moralisten Michel de Montaigne (1533-1592) verfasste. Es existiert sowohl in lateinischer als auch in englischer Sprache: "Ipsa scientia potestas est" und "Knowledge itself is power".
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten
Bei diesem Zitat handelt es sich um den Beginn des zweiten Gedichts aus Heinrich Heines (1797-1856) Gedichtsammlung "Die Heimkehr", das in der Verordnung von Friedrich Silcher (1789-1860) zu einem bekannten Volkslied wurde. Die erste Strophe lautet: "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,/Dass ich so traurig bin;/Ein Märchen aus alten Zeiten,/Das kommt mir nicht aus dem Sinn." Heine greift hier das Märchen von der Loreley auf, die als Fantasiegestalt erstmals in einer Ballade von Clemens von Brentano im Jahre 1799 beschrieben wird. Wenn man heute in bestimmten Situationen nicht versteht, welchen Sinn oder Zweck eine Entscheidung oder ein Verhalten hat, was dahinter steckt, kann man kopfschüttelnd zitieren: "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten".
Per definitionem
Diese lateinische Fügung ist bildungssprachlich gebräuchlich und bedeutet: "wie es das Wort, die Aussage beinhaltet; erklärtermaßen": ein Wörterbuch kann per definitionem nicht die Informationen eines Lexikons vermitteln.
Peu à peu
Die aus dem Französischen übernommene Fügung bedeutet "nach und nach; allmählich": Peu à peu wurde aus der Bekanntschaft eine Freundschaft.