Das Scheitern ist in der deutschen Kultur nicht erlaubt

Unternehmensgründung

20.02.2012 - Deutsche Gründer haben nicht nur mit finanziellen und bürokratischen Rahmenbedingungen zu kämpfen, sondern auch mit einer tief verwurzelten Angst vor dem Scheitern.

Das ist ein Ergebnis der Ernst & Young-Studie "Entrepreneurs speak out – A call to action for G20 governments", an der sich mehr als 1.000 Jungunternehmer aus allen G-20-Ländern beteiligt haben.

Mehr Angst, weniger Gründungen

Demnach sehen weltweit 44 Prozent der befragten Entrepreneure das Scheitern einer Geschäftsidee als Chance, etwas zu lernen. Dagegen überwiege in Deutschland wie in keinem anderen Land die Meinung, ein Scheitern auf Business-Ebene sei ein Hindernis beim Start eines neuen Projekts.

Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young: "Im Gegensatz zu vielen G-20-Nationen, gerade den Schwellenländern, herrscht in Deutschland keine Kultur, in der Scheitern erlaubt ist."

Englisch zufolge herrscht ein Zusammenhang zwischen der kulturellen Wahrnehmung des Scheiterns und der Einstellung gegenüber Unternehmensgründungen: "Wird eine mögliche Unternehmenspleite als Chance begriffen, fällt die Entscheidung für eine Gründung wesentlich leichter."

Optimierungsbedarf bei Bildung und Finanzierung

Insgesamt stimmen laut Umfrage nur 26 Prozent der deutschen Teilnehmer voll und ganz der Aussage zu, die Kultur ihres Landes fördere Unternehmensgründungen. Das betreffe auch die Bereiche Bildung und Finanzierung, die wichtige Schlüssel für erfolgreiche Start-ups seien.

70 Prozent aller befragten Entrepreneure waren laut Ernst & Young der Überzeugung, dass Studenten ein spezielles Training benötigen, um erfolgreich ein eigenes Unternehmen starten zu können.

Ganze 88 Prozent sahen Berichte über bereits erfolgreiche Unternehmer und Anleitungskurse als Schlüsselfaktor, um Studenten die Unternehmensgründung als Karrierechance näherzubringen.

Ein weiterer Baustein sei die Finanzierung des eigenen Gründungsprojekts: 62 Prozent der Studien-Teilnehmer empfanden es als schwierig, ihre Unternehmensgründung zu finanzieren. 80 Prozent meinten, dies könnte durch eine finanzielle Förderung der Regierung verbessert werden. (uqrl)

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