07.12.2010 - Den meisten Jungunternehmern fehlt das nötige Startkapital. Dieses Problem haben reiche Gründer nicht. Jedoch sind sie einer Studie zufolge weniger erfolgreich.
Wie das Handelsblatt berichtet, haben die norwegischen Ökonomen Hans Hvide und Jarle Moen die Daten von mehr als 1.500 Gründern aus Norwegen ausgewertet, die sich zwischen 1954 und 2002 selbständig gemacht haben.
Die Studie sei möglich gewesen, weil es in Norwegen im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern kein Steuergeheimnis gebe: Die Forscher hätten Einblick in Einkommen und Ersparnisse der Gründer gehabt, ebenso wie in die Kapitalausstattung und die Vorsteuergewinne der Firmen.
Das Ergebnis der Studie: Wer zu reich war, habe sich als schlechterer Unternehmer erwiesen. Bisher sei man davon ausgegangen, dass Gründer mit einem hohen Startkapital ein Unternehmen schneller zum Wachstum bringen könnten.
Das sei auch der Fall – bis zu einer Vermögensgrenze von umgerechnet 122.000 Euro: Die Profitabilität eines Start-ups steige bis zu dieser Summe mit dem vorhandenen Reichtum des Gründers.
Das Bild drehe sich, wenn die Gründer diese Vermögensschwelle überschritten: Als deutlich schlechtere Unternehmer hätten sich die Norweger erwiesen, die ein höheres Vermögen besessen hätten. Die Firmen seien weit weniger profitabel gewesen.
Das Phänomen sei umso ausgeprägter gewesen, je reicher der Gründer sei – unabhängig von Alter und Ausbildung des Unternehmers sowie von der Branche des Unternehmens. Der Effekt sei jedoch besonders häufig bei IT-Firmen zu beobachten gewesen.
Die Forscher vermuten laut Handelsblatt, dass der Grund in der bequemeren Geisteshaltung der reichen Gründer zu finden sei: Äußerst vermögende Jungunternehmer kümmerten sich seltener in Vollzeit um das Tagesgeschäft.
Die reichsten fünf Prozent der untersuchten Gründer seien nach zwei Jahren nur noch zu gut zwei Dritteln Vollzeit in der Firma tätig. Bei weniger vermögenden Gründern seien es nach zwei Jahren 85 Prozent.
Die Forscher hätten das Fazit gezogen, dass es vielen Reichen beim Gründen gar nicht um das Geldverdienen gehe: Für manche sei ein Unternehmen schlicht ein teures Hobby. (uqrl)