05.10.2011 – Eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat die Änderungen bei der Gründungszuschuss-Vergabe als fragwürdig eingestuft, die am 1. November in Kraft treten.
Wie das Serviceportal der Keyna Group, www.alg-zuschuss.de, informiert, decke der IAB Forschungsbericht 3/2011: "Die Praxis des Gründungszuschusses" Budgetentscheidungen bei der Vergabe von Gründungszuschüssen auf.
Die Studie sei besonders glaubwürdig, weil die Mitarbeiter der Arbeitsagenturen befragt wurden, so Gründungsexperte Andreas Schilling von der Gründeragentur für Arbeitslose: "Mitarbeiter der Arbeitsagenturen auf allen Ebenen wurden nicht nur interviewt, sondern auch beim Vergabe-Prozedere beobachtet – und das setzt ganz andere Maßstäbe an die Relevanz der Aussagen."
Der Forschungsbericht kritisiere vor allem die von politischer Seite geäußerte Behauptung, der Gründungszuschuss würde in seiner neuen Form bisherige Mitnahmeeffekte verhindern. Konkret heiße es dazu im Bericht:
"Insbesondere, wenn der Zuschuss [in Zukunft] häufig dann gewährt wird, wenn Gründungsvorhaben besonders erfolgversprechend sind, wird sich nach wie vor die Frage stellen, ob der Zuschuss selbst kaum zur Überlebensfähigkeit und einem beschleunigten Erfolg der Gründung beiträgt, sondern eben nur mitgenommen wird. Womöglich könnte dadurch sogar der Anteil der Mitnahmen an den Förderfällen insgesamt zunehmen."
Auch die Umstellung zur Ermessensleistung sehe der IAB-Bericht problematisch:
"Zum ersten besteht die Gefahr, dass über die Förderung von Gründungsprojekten nach nicht-wirtschaftlichen Kriterien entschieden wird. Die Erfahrungen mit der Gewährung der zweiten Förderphase, die bereits jetzt eine Ermessensleistung ist, legen nah, dass insbesondere budgetäre Erwägungen eine sachlich-inhaltliche Bewertung von Gründern und Gründungsprojekten überlagern können. Vermittler aus unterschiedlichen Agenturen gaben an, Anträge auf Verlängerungen des Gründungszuschusses rundweg und allein aus haushaltstechnischen Überlegungen heraus abzulehnen."
Wie alg-zuschuss.de außerdem bemerkt, seien bei Anhörungen rund um die Gesetzesänderungen vornehmlich Redner ausgewählt worden, bei denen von einer Unterstützung der Kürzungen auszugehen war. Dagegen seien die Stimmen von Gründern und Gründungsexperten nicht gehört worden.
Schilling: "Es stellt die Ernsthaftigkeit der Debatte in Frage, wenn Experten wie Prof. Alexander Kritikos, der einen Regierungsauftrag zur Evaluierung des Gründungszuschusses zu einem positiven Ergebnis gebracht hat, einfach ausgeschlossen werden."
Mit dem neuen Gesetz gehen laut alg-zuschuss.de ab dem 1. November folgende Änderungen einher: