Unternehmensnachfolge im Mittelstand verläuft meist reibungslos

Studie

03.12.2010 - Nahezu acht von zehn Unternehmensnachfolgern stufen den Übergabeprozess als gut vorbereitet ein.

Das geht aus einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim und des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) hervor, für die Unternehmensübergaben mittelständischer Familienunternehmen mit mindestens 40 und höchstens 5.000 Mitarbeitern untersucht wurden.

Geschäftsbetrieb bleibt meist gewährleistet

Demnach bescheinigen immerhin 60 Prozent der Nachfolger dem früheren Eigentümer, ausreichend investiert zu haben: Der Geschäftsbetrieb sei nach der Übergabe gewährleistet gewesen. 


Dabei bewerteten externe Nachfolger die Güte der Vorbereitung etwas schlechter als interne.

Ex-Inhaber meist weiter für das Unternehmen tätig

Überraschend laut ZEW: Nach dem Eigentümerwechsel sei der frühere Inhaber noch in fast zwei Dritteln der Unternehmen weiter aktiv tätig. In der Hälfte dieser Unternehmen nehme er sogar eine Führungsfunktion wahr. Selbst bei externer Nachfolge sei dies in immerhin 40 Prozent der Unternehmen der Fall. 


Der Einfluss des Alteigentümers nehme in der Regel ab, je weiter die Übergabe zurückliegt, so Michael Woywode, Leiter des ifm Mannheim: "In den meisten Fällen unterstützt der Übergeber den Nachfolger, solange dies notwendig ist und zieht sich rechtzeitig aus dem Unternehmen zurück." 


Laut Studie sind außerdem immer mehr Nachfolger eher betriebswirtschaftlich als ingenieurwissenschaftlich-technisch ausgebildet. Diese Entwicklung habe jedoch keine Auswirkungen auf die Innovationstätigkeiten des übernommenen Unternehmens.

Neuer Eigentümer, neue Strukturen

Viele Nachfolger änderten nach der Übernahme die Organisation des Betriebs und strukturierten die externen Geschäftsbeziehungen um. 


Besonders aktiv seien dabei die externen Nachfolger: Sie setzen der Studie zufolge stärker als interne Nachfolger neue Finanziers sowie Berater ein und kündigen Zulieferverträge. Auch sei bei einer externen Nachfolge häufig ein Wechsel der Hausbank zu beobachten.

Externe erkennen Schwachpunkte besser

Der Studie zufolge sinkt außerdem die Umsatzrendite in Unternehmen mit einem externen Nachfolger nach der Übernahme deutlich. Sie steige jedoch in den folgenden Jahren wesentlich stärker an als bei den anderen Nachfolgeunternehmen. 


Bereits wenige Jahre nach der Übernahme hätten sie ihren Renditerückstand aufgeholt. Wolfgang Franz, Präsident des ZEW Mannheim: "Es scheint, dass es gerade der unvoreingenommene Blick von außen ist, der es externen Nachfolgern ermöglicht, Schwachpunkte im Unternehmen zu erkennen und entsprechende Veränderungen vorzunehmen."

8.600 Unternehmen zwischen 2002 und 2008 übergeben

Laut ZEW wurden von 2002 bis 2008 in Deutschland rund 8.600 mittelständische Familienunternehmen an einen neuen geschäftsführenden Inhaber übergeben – etwa 23 Prozent der insgesamt 38.000 deutschen mittelständischen Unternehmen. 


Gut ein Fünftel der übernommenen mittelständischen Familienunternehmen habe externe Nachfolger, fast drei Fünftel blieben in Familienhand. Ein weiteres Fünftel habe Nachfolger, die bereits vorher im Unternehmen gearbeitet haben. (uqrl)

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