Unternehmen in Frauenhand wachsen langsamer

Studie

15.06.2011 - Von 3,7 Millionen mittelständischen Unternehmen werden deutschlandweit rund 730.000 von Frauen geführt. Die Umsätze dieser Unternehmen wachsen langsamer als die von Unternehmen mit einem männlichen Chef.

Das geht aus einer Studie auf der Basis des KfW-Mittelstandspanels hervor, für die mittelständische Unternehmen im Zeitraum von 2002 bis 2009 untersucht wurden. Ein Ergebnis: Laut der KfW Bankengruppe weisen frauengeführte Unternehmen niedrigere Umsatzwachstumsraten auf.

Frauen liegt Unternehmenswachstum weniger am Herzen

Außerdem sei es bei ihnen unwahrscheinlicher, dass Investitionen durchgeführt werden. Von insgesamt 176 Milliarden Euro, die 2009 von Mittelständlern investiert wurden, hätten frauengeführte Unternehmen 16 Milliarden Euro investiert. 


"Diese Differenzen lassen sich nicht durch strukturelle Merkmale wie etwa Branche oder finanzielle Ausstattung erklären", sagt Margarita Tchouvakhina, Abteilungsdirektorin der volkswirtschaftlichen Abteilung der KfW Bankengruppe und Leiterin der Studie. 


"Ein Grund liegt in der unterschiedlichen, geschlechterspezifischen Motivation für die Selbständigkeit: Frauen streben seltener an, mit ihrem Unternehmen zu wachsen, um flexibel zu bleiben und die Balance zwischen privatem und beruflichen Leben besser zu halten."

Frauen vermeiden höhere Risiken

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Chefinnen reagieren in ihrem Investitionsverhalten im Vergleich schneller und stärker auf negative Konjunkturanzeichen. 


Zu Boomzeiten nutzten sie die Wachstumsdynamik nur zögerlich. Außerdem vermeiden sie laut Studie zusätzlichen finanziellen Aufwand, der mit höheren Risiken einhergeht. 


Frauen beantragen der KfW zufolge seltener Kredite als Männer und führen daher seltener Verhandlungen mit Kreditinstituten. Komme es zu einer Kreditverhandlung, seien Chefinnen aber genauso erfolgreich wie Chefs. 


Tchouvakhina: "Für Frauen spielen expansive Investitionsziele weniger eine Rolle, was zum Teil die geringere Wachstumsneigung erklärt."

Frauen wollen autonom und flexibel sein

Die Hauptmotivation, sich selbständig zu machen, ist der Studie zufolge für Frauen und Männer ähnlich: Es geht ihnen darum, eigene Ideen zu verwirklichen und unabhängig zu sein. 


Ein höheres Einkommen durch die Selbständigkeit sei wiederum weniger wichtig für Frauen. Relevanter sei die zeitliche Flexibilität, vermutlich im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 


Den persönlichen unternehmerischen Erfolg sehen Frauen entsprechend weniger in den Indikatoren 'Wachstum' und 'Profit', sondern in der 'Arbeitszufriedenheit', der 'Autonomie' und der 'Selbstverwirklichung'. 


Mehr Informationen zur Studie finden Sie auf den Internetseiten der KfW als Link unter dieser Meldung. (uqrl)

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