Die VR FACTOREM GmbH war 2007 das erste Unternehmen, das auch kleineren Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 500.000 Euro eine attraktive Factoringlösung anbieten konnte. Nun geht das Factoringinstitut der genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken noch einen Schritt weiter: Es bietet Factoring bereits ab einem Jahresumsatz von 250.000 Euro an.
Herr Kahlcke, vor drei Jahren sind Sie mit Ihrem Angebot für Kunden ab 500.000 Euro gestartet. Wie kam es nun zu der weiteren Absenkung der Umsatzgrenze?
Zum einen haben wir in diesen drei Jahren viel Erfahrung im Segment der kleineren Kunden sammeln können, was wir nun entsprechend weitergeben möchten. Demzufolge haben wir unser Produkt PRIMO auf den Prüfstand gestellt und können unseren Kunden nun ein noch attraktiveres Produkt vorstellen.
Zudem hat das kleinere Segment viel Potenzial: Betrachtet man Unternehmen zwischen 250.000 Euro und 100 Millionen Euro Jahresumsatz, so entfallen 13 Prozent (ca. 300 Milliarden Euro) des Gesamtumsatzes dieser Unternehmen auf Firmen zwischen 250.000 Euro und eine Million Euro(Quelle: Institut für Mittelstandsforschung, Bonn).
Der dritte und wichtigste Punkt ist aber die große Nachfrage der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Wir als Factoringinstitut der genossenschaftlichen FinanzGruppe haben unser Angebot schon immer an den Bedürfnissen ihrer Kunden ausgerichtet. Somit können wir den Banken hier ab sofort eine attraktive Lösung für die kleineren Kunden im Firmen- und teilweise erstmals im Gewerbekundenbereich anbieten.
Verglichen mit Frankreich und anderen europäischen Ländern ist der Factoringmarkt in Deutschland bislang noch weniger entwickelt. Knapp 10.000 Unternehmen nutzen hierzulande Factoring. Dabei wird Factoring doch immer als einer der ersten Finanzierungsalternativen genannt, die die Bilanzrelationen verbessern. Woher diese Diskrepanz?
Das ist vor allem historisch bedingt. Bei uns in Deutschland wurde Factoring sehr lange vor allem für Großkunden mit einem Jahresumsatz von mehr als 10 oder 20 Millionen Euro angeboten. Wir sind in diese Lücke gestoßen und haben Factoring auch für kleine und mittelständische Unternehmen interessant gemacht.
Außerdem gab es beim Factoring lange ein Imageproblem, das sich jedoch zunehmend verflüchtigt. Früher fürchten viele Unternehmen, ihre Kunden könnten glauben, das Unternehmen bekäme kein Geld mehr von der Bank, weil es seine Forderungen verkauft. Doch dieses Klischee trifft schon lange nicht mehr zu. Ähnliche Bedenken gab es übrigens auch mal beim Leasing: Wenn damals ein Betrieb seinen Fuhrpark geleast hat, dachten alle, er könnte seine Autos sonst nicht mehr bezahlen. Heute weiß jeder, dass Leasing ein sinnvolles Instrument ist, um Liquidität und Bilanzrelationen zu verbessern.
Eine ähnliche Entwicklung beobachten wir beim Factoring seit Jahren. Der deutsche Factoringmarkt besitzt nach wie vor ein großes Wachstumspotenzial. Ein europäischer Vergleich zeigt, dass Factoring eine attraktive Finanzierungslösung für mittelständische Unternehmen sein kann. Während Frankreich, Italien oder Großbritannien im Jahr 2009 Factoringquoten von 6,7 bis 8,2 Prozent aufwiesen, liegt diese in Deutschland bei lediglich 4 Prozent.
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