22.12.2011 – Deutsche Arbeitnehmer haben im vergangenen Jahr etwa zwölf Prozent ihres Urlaubsanspruchs nicht genutzt. Dieses Verhalten kann sich positiv auf das Einkommen auswirken.
Das zeigt eine Untersuchung des Arbeitsmarktökonomen Daniel Schnitzlein, die im aktuellen Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) erschienen ist.
Wer seinen Urlaub nicht voll ausschöpft, kann demnach mit kurzfristigen Einkommenszuwächsen rechnen – aber müsse auch eine Einschränkung seiner Lebensqualität in Kauf nehmen.
Bei der Anzahl der tatsächlich genommenen Urlaubstage zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Beispielsweise hätten jüngere Arbeitnehmer im Alter bis 24 Jahre die meisten Resturlaubstage, ältere Arbeitnehmer ab 55 Jahren die wenigsten.
Schnitzlein: "Es könnte sein, dass besonders die Jüngeren Verzicht auf Urlaub als Investition in ihre Karriere verstehen. Vielleicht soll der Urlaubsverzicht dem Vorgesetzten demonstrieren, wie hoch die eigene Arbeitsmotivation ist."
Für diese These spreche auch, dass sich dieses Verhalten laut Studie positiv auf das Einkommen auswirkt: Diejenigen, die ihren Urlaub nicht voll ausgeschöpft hatten, erhielten im Folgejahr einen um 0,39 Euro höheren Stundenlohn als diejenigen, die ihren Urlaub ausgeschöpft hatten.
Urlaubsverzicht wirke sich allerdings auch negativ aus, so Schnitzlein: "Wer seinen Urlaub nicht voll ausgeschöpft hat, war im Folgejahr unzufriedener mit seiner Gesundheit und in seiner Freizeit."
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Menge der Resturlaubstage hängt auch von der Betriebszugehörigkeitsdauer und der Betriebsgröße ab. Dabei gelte: Je größer der Betrieb, desto eher wird der Urlaub ausgeschöpft.
Der durchschnittliche tarifliche Urlaubsanspruch für Beschäftigte in Deutschland beträgt dreißig Tage.
Wie die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ergeben haben, habe die Zahl der tatsächlich genommenen Urlaubstage für jeden Arbeitnehmer 2009 im Durchschnitt drei Tage unter dem Urlaubsanspruch gelegen. (uqrl)