Chefs erkennen selten den Nutzen gesunder Mitarbeiter

Arbeitssicherheit

24.10.2011 – Deutsche Betriebe werden im Arbeitsschutz meist nur aktiv, weil sie gesetzliche Vorschriften befolgen müssen. Den wirtschaftlichen Nutzen gesunder Mitarbeiter sehen wenige Unternehmen.

Das geht aus dem DEKRA Arbeitssicherheitsbarometer 2011 hervor, für den mehr als 600 Unternehmen befragt wurden.

Demnach erkennen viele Führungskräfte nicht die Produktivitätsreserven, die durch verringerte Unfallzahlen und Krankheitstage entstehen. Laut DEKRA entsteht der deutschen Wirtschaft durch  Ausfallzeiten ein Schaden von jährlich 43 Milliarden Euro.

Chefs: Mitarbeiter selbst schuld an Unfällen

Jedoch werden dem Bericht zufolge 84 Prozent der Betriebe in Sachen Arbeitsschutz nur aktiv, weil sie gesetzliche Vorschriften befolgen müssen. Lediglich 31 Prozent sehen laut DEKRA den wirtschaftlichen Nutzen, während 38 Prozent ihre Mitarbeiter aus "etischen" Gründen schützen.

Dagegen sieht jeder zweite Unternehmer im Verhalten der Mitarbeiter selbst die größte Gefahrenquelle. Weitere Hauptquellen für Unfallrisiken liegen aus Sicht der Chefs bei dem "zunehmendem Druck auf die Mitarbeiter" (20 Prozent) und in der "Unkenntnis der Mitarbeiter" (17 Prozent).

Maßnahmen gelten als wirkungslos

Viele Maßnahmen werden laut DEKRA offenbar als wirkungslos empfunden. Beispielsweise veranstalteten neun von zehn Unternehmen Schulungen zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz – aber  nur gut zwei Drittel glaubten an die Wirksamkeit der Maßnahme.

An die Wirkung von ausgehängten Betriebsanweisungen glaube nicht einmal jeder zweite Befragte – obwohl vier von fünf Firmen Anweisungen aushängen.

Insgesamt unterschätzen die befragten Führungskräfte die Unfallrisiken in ihren Unternehmen: 82 Prozent der Unternehmen gehen in der Umfrage davon aus, dass in ihrem Umfeld das Unfallrisiko insgesamt geringer ist als anderswo.

Weniger Arbeitsunfälle, mehr Burnout-Fälle

Ein weiteres Ergebnis des Berichts: In den Unternehmen gehen von der Technik immer weniger Gefahren aus – es gebe einen historischen Tiefstand bei den Arbeitsunfällen.

An die Stelle des klassischen Unfalls bei der Arbeit würden innere Kündigung und Burnout treten, so die DEKRA. Der Grund: Viele Betriebe vernachlässigten tendenziell den "Produktionsfaktor Mensch". (uqrl)

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