Den meisten Deutschen fehlt Wirtschafts- und Anlagewissen

Studie

20.12.2010 - Die Deutschen wissen zu wenig über wirtschaftliche Zusammenhänge. Das kann Anlageentscheidungen negativ beeinflussen.


Die Studie im Auftrag des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und der Zeppelin University in Friedrichshafen liege dem Handelsblatt exklusiv vor, wie die Wirtschaftszeitung berichtet.

Wirtschaftswissen anhand von 24 Fragen getestet

Für die Studie hätten 13 Wirtschaftswissenschaftler 24 Fragen entwickelt, die sich auf das Finanzwissen bei Anlageentscheidungen beziehen, darunter: 


  • Wie hoch ist die Umsatzsteuer auf Lebensmittel? 
  • Wo liegt derzeit die Arbeitslosenquote? 
  • Wann ist ein Kredit realistischerweise abbezahlt?

Kaum ökonomische Kenntnisse vorhanden

Das Ergebnis der Befragung von mehr als 1.300 Bürgern: Die Deutschen besäßen zu wenige ökonomische Kenntnisse – und verschenkten daher möglicherweise bei Anlageentscheidungen viel Geld. 


Beispielsweise wissen laut Handelsblatt mehr als 30 Prozent der Deutschen nicht, wer Bundeswirtschaftsminister ist. Fast die Hälfte der Befragten wisse nicht, wie hoch die derzeitige Arbeitslosenquote ungefähr ist.


Knapp drei Viertel der Befragten beherrschen dem Handelsblatt zufolge die Prozentrechnung nicht. Und: Fast jeder vierte Deutsche wisse nicht, dass er in einer Sozialen Marktwirtschaft lebt.


Peter Kenning, Marketingprofessor an der Zeppelin-Universität: "Man muss sich dabei klarmachen, dass es sich nicht um Expertenwissen, sondern wirklich um minimales Wirtschaftswissen bei den Fragen handelte."

Frauen wissen weniger und handeln intuitiv besser

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Frauen hätten im Schnitt einen um zehn Punkte schlechteren Wert als Männer erreicht – und ihr Wirtschaftswissen auch selbst als wesentlich schlechter eingeschätzt.


Dabei hätten andere Studien gezeigt, dass Frauen intuitiv besser mit Anlageentscheidungen umgehen als Männer. Der Grund: Sie gingen weniger Risiken ein und verlören im Schnitt weniger Geld.

Medienpräferenz nicht zu unterschätzender Faktor

Über Wirtschaftswissen entscheide unter anderem auch der Fernsehkonsum: Der Studie zufolge koste eine Stunde Fernsehen pro Tag 1,6 Punkte beim minimalen Wirtschaftswissen.


Zuschauer der Nachrichtensendungen "RTL aktuell" schnitten laut Handelsblatt außerdem schlechter ab als Zuschauer der "Tagesschau" oder der Sendung "heute".


Ebenso deutlich habe sich der Wissensvorsprung von Handelsblatt- und FAZ-Lesern vor den reinen "Bild"-Zeitungslesern gezeigt: Letztere erreichten im Schnitt mit 59 Punkten einen um zehn Punkte geringeren Wert als die Handelsblatt- und FAZ-Leser.

Schlechtere Anlageentscheidungen bei fehlendem Wissen

Den Autoren der Studie zufolge sei das Ergebnis deshalb relevant, weil Zusammenhänge zwischen ökonomischem Grundwissen und schlechten Anlageentscheidungen bestehen könnten – das belegten Studien aus den USA.

 

Demnach ließen sich Menschen besonders häufig Hypothekenkredite andrehen, die sie realistischerweise nicht bedienen konnten, wenn sie besonders schlecht rechnen konnten und fast nichts über die Finanzwelt wussten. (uqrl)

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