Psychische Probleme am Arbeitsplatz kosten bis zu 30 Milliarden Euro jährlich

Studie

14.11.2011 – Arbeitsbedingte psychische Belastungen verursachen jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe. Deshalb zahlen sich betriebliche Präventionsprogramme wirtschaftlich aus.

Das haben der Epidemiologe Dr. Wolfgang Bödeker und der Mathematiker Michael Friedrichs im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung ermittelt. Bödeker und Friedrichs verwendeten für ihre Berechnungen Daten des Statistischen Bundesamtes und Statistiken der Krankenkassen.

Behandlungskosten von knapp 29 Milliarden Euro

Demnach verursachten psychische Belastungen am Arbeitsplatz 2008 Kosten von knapp 29 Milliarden Euro. Dieser Wert ergebe sich aus der Zahl der ausgefallenen Arbeitstage multipliziert mit dem Betrag, den ein durchschnittlicher Arbeitnehmer pro Tag erwirtschaftet.

Psychisch bedingte Arbeitsausfälle werden laut Hans-Böckler-Stiftung am häufigsten durch gesundheitliche Einschränkungen der Kategorie "neurotische, belastungs- und somatoforme Störungen" verursacht, beispielsweise durch Angstzustände.

Auf Rang zwei folgten "affektive Störungen" wie Depressionen. Wiederum mit großem Abstand folgten Suchtprobleme.

Kosten von 7,1 Milliarden Euro

Die Wissenschaftler ermittelten außerdem, welche Kosten auf Gesundheitsstörungen entfallen, die unmittelbar aus dem Berufsleben resultieren – zum Beispiel hoher Leistungsdruck oder geringe Entscheidungsspielräume. Die Forscher veranschlagen diese Kosten arbeitsbedingter psychischer Störungen auf 7,1 Milliarden Euro jährlich.

Neben den direkten Behandlungskosten beinhaltet die Zahl Kosten des Arbeitsausfalls, Krankengeldzahlungen der Krankenkassen, Kosten krankheitsbedingter Frühverrentungen und Einnahmeverluste sowie Zusatzausgaben der Rentenversicherung.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz könnten aber auch Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, Kreislauf- sowie Magen- und Darmerkrankungen verursachen. Beziehe man diese indirekten Kosten in die Schätzung ein, kommen die Forscher laut Hans-Böckler-Stiftung auf rund zehn Milliarden direkte und gut 19 Milliarden Euro indirekte Kosten.

Betriebliche Prävention zahlt sich aus

Zahlreiche Studien aus den USA belegten, dass sich Präventionsmaßnahmen deshalb in aller Regel auszahlen – nicht nur gesamtwirtschaftlich, sondern auch für das einzelne Unternehmen.

Nach unterschiedlichen Untersuchungen erzielt ein in Gesundheitsprävention investierter Dollar Erträge zwischen zwei und zehn Dollar. (uqrl)

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