29.09.2011 – Noch bis 2015 reichen die finanziellen Rücklagen der gesetzlichen Pflegeversicherung aus, so eine Analyse. Danach dürfte eine Reform der Pflegeversicherung notwendig werden.
Davon geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin aus. Demnach erhielten 2009 rund 2,3 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Laut DIW dürften es 2050 doppelt so viele sein.
Auf einen solchen Anstieg sei die Finanzierung jedoch nicht ausgelegt. DIW-Forscherin Kornelia Hagen: "Viele alte Menschen zehren bereits heute ihr Vermögen auf, um ihre Pflege zu bezahlen, oder rutschen in die Armut ab. Will man einen Pflegenotstand vermeiden, ist eine Reform der Pflegeversicherung unausweichlich."
Derzeit würden verschiedene Reformmodelle diskutiert. Grundsätzlich lassen sich die Reformmodelle laut DIW in drei Grundtypen einteilen:
1. ein vollständiger Umbau des bisherigen umlagefinanzierten Systems hin zu einer Kapitaldeckung.
2. eine ergänzende Kapitaldeckung, bei der aber das jetzige Umlageverfahren erhalten bleibt.
3. die Möglichkeit, das Umlageverfahren beizubehalten und auszubauen. Um die Finanzierung zu verbessern, könne beispielsweise der Versichertenkreis ausgeweitet und die Beitragsbemessungsgrenzen könnten angehoben werden.
Die Forscherin benennt die Nachteile des Umlageverfahrens: "Am Umlageverfahren wird kritisiert, dass es besonders schlecht mit dem demographischen Wandel zurechtkommt, wenn die Gruppe der Einzahler schrumpft, während die Gruppe der Empfänger wächst."
Auch die kapitalgedeckte Form, bei der theoretisch jeder Versicherte durch Ansparen eines Kapitalstocks seine künftige Pflege selbst absichert, habe Nachteile: "Die Finanzkrise hat gezeigt, wie schnell eben noch als sicher geltende Anlageformen plötzlich als unsicher gelten können."
Kornelia Hagen plädiert für einen Erhalt des Umlageverfahrens und eine bürgerschaftliche Form der Pflegefinanzierung: "Im Interesse der Qualität der Pflege kann auch eine Beitragsanhebung kein Tabu sein. Und durch eine gesamtwirtschaftlich betrachtet minimale Anhebung wird das Wachstum bestimmt nicht gefährdet. Zentral ist daneben auch eine Zusammenführung der privaten und der sozialen Pflegeversicherung." (uqrl)