16.11.2011 – Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal 2011 kräftig gewachsen. Im kommenden Winterhalbjahr dürfte das Wachstum dagegen eher dürftig ausfallen.
Davon geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aus. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes habe das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 Prozent zugelegt – vor allem in der Industrie.
DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner: "Zu Konjunkturoptimismus besteht indes kein Anlass, denn die Industrie hat vor allem vom Auftragspolster der vorangegangenen Monate gezehrt."
Nach Einschätzung des DIW Berlin ist das kräftige Plus vor allem dem Quartalsauftakt im Juli zu verdanken. Aufgrund der späten Lage der Sommerferien sei in einigen Bundesländern ein großer Teil der Produktion vorgezogen worden. Schon im August und September sei die Industrieproduktion dagegen deutlich zurückgegangen.
"Im vierten Quartal dürfte das Wachstum vor allem wegen der Krise im Euroraum mager ausfallen", so Fichtner. Darauf deuteten die eingebrochenen Umfragewerte unter Verbrauchern und Unternehmern hin: "Die Menschen sind verunsichert. Das ist Gift für die Konjunktur."
Das DIW prognostiziert angesichts deutlicher Auftragsrückgänge eine geringere Nachfrage nach deutschen Produkten im Winterhalbjahr. Das gelte auch für Länder außerhalb des Euroraums, so DIW-Konjunkturexperte Simon Junker: "Für die Gesamtwirtschaft rechnen wir im vierten Quartal daher sogar mit einer vorübergehend stagnierenden Produktion."
Auch aus dem KfW-ifo-Mittelstandsbarometer geht hervor, dass sich das mittelständische Geschäftsklima im Oktober 2011 spürbar eingetrübt hat. Damit bestätigt die KfW den konjunkturellen Abwärtstrend.
KfW-Chefvolkswirt Dr. Norbert Irsch: "Das Winterhalbjahr 2011/12 dürfte schwach ausfallen. Einen Absturz wie im Winter 2008/09 sehe ich angesichts des trotz der aktuellen Eintrübung noch immer recht guten Geschäftsklimas und des robusten Arbeitsmarktes aber nicht." (uqrl)