Deutlich weniger Streiks im Jahr 2010

Arbeitskämpfe

04.05.2011 - Im Vergleich zu 2009 ist die Zahl der Streikenden 2010 deutlich zurückgegangen – und mit ihnen die Zahl der streikbedingten ausgefallenen Arbeitstage.


Das zeigt die Jahresbilanz zur Arbeitskampfentwicklung, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung vorgelegt hat.

Niedrigstes Streikvolumen seit 2005

Demnach hat sich die Zahl der Beteiligten an Streiks und Warnstreiks auf weniger als ein Drittel verringert – von rund 400.000 Streikenden im Jahr 2009 auf rund 120.000 im letzten Jahr. 


Das WSI schätzt die Zahl der deshalb ausgefallenen Arbeitstage 2010 auf rund 173.000. Auch das sei ein deutlicher Rückgang gegenüber den 398.000 Streiktagen des Jahres 2009 – und stelle das niedrigste Streikvolumen seit 2005 dar.

Lösungen ohne Arbeitskämpfe erzielt

WSI-Arbeitskampfexperte Heiner Dribbusch: "Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung liegt darin, dass 2010 in der Metall- und Elektroindustrie ohne Arbeitskampf eine Verhandlungslösung erzielt wurde und es im Dienstleistungssektor deutlich weniger betriebliche Arbeitskämpfe gab als in den Vorjahren." 


Wie in den vorangegangenen Jahren rühre der überwiegende Teil aller Streiks aus Konflikten um Firmen- und Haustarifverträge, bilanziert Dribbusch. Für 2011 sieht er bislang keine Anzeichen für Großkonflikte. Die Streikaktionen im ersten Quartal 2011 seien insgesamt von der Zahl der Beteiligten wie ihrer Dauer her eng umrissen.

WSI-Zahlen weichen von offizieller BA-Statistik ab

Das WSI weist darauf hin, dass die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) zwar den WSI-Trend bestätigen, aber statistisch stark nach unten abweichen: Die Statistik der BA weise für 2010 lediglich 12.936 Streikende aus – gegenüber 28.281 Streikenden im Jahr 2009. 


Außerdem registriert die BA laut WSI für 2010 lediglich 25.917 ausgefallene Arbeitstage durch Streiks, nach 63.708 im Jahr 2009. Mit diesen Zahlen offenbare die BA erhebliche Lücken, die das WSI mit Gewerkschaftsangaben, Zeitungsberichten und eigenen Recherchen zu schließen versuche. (uqrl)

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