27.01.2011 - Hohe Rohstoffpreise oder eine Inflation könnten die derzeit gute Konjunktur ins Wanken bringen. Welche Themen auf der Agenda des Weltwirtschaftstreffens in Davos nicht fehlen dürfen, lesen Sie hier.
Die Redaktion des manager magazins hat zahlreiche Interviews mit internationalen Topmanagern, Politikern und Experten analysiert. Anlass der meisten Interviews sei das World Economic Forum, das Ende Januar 2011 in Davos beginnt.
Die Redaktion des manager magazins hat eine eigene Fünf-Punkte-Agenda für das Wirtschaftstreffen aufgestellt, die sich aus den Interviews ergeben habe:
Es besteht ein gigantischer Investitionsbedarf – sowohl in den Megacitys der Schwellenländer als auch bei Straßen, Schienen und Schulen etablierter Volkswirtschaften wie den USA und Großbritannien.
Auch Kontinentaleuropa benötigt eine rundüberholte Verkehrs- und Energieinfrastruktur, um Energieverbrauch und Emissionen zu senken.
Große Teile der Weltwirtschaft sind verschuldet. Dadurch ist alles möglich, zum Beispiel Staatsbankrotte, Währungscrashes, das Auseinanderbrechen der Euro-Zone oder ein grenzenloser Inflationsschub.
Frederico Fleury Curado, Chef des brasilianischen Flugzeugbauers Embraer, habe im Interview mit dem manager magazin sogar Handels- und Währungskriege befürchtet – die grundlegenden Auslöser der Finanzkrise seien noch nicht beseitigt worden.
Das globale Kapitalangebot wird im Westen spürbar knapper. Bislang haben Schwellenländer wie China große Teile ihrer Überschüsse in Form von langfristigem Kapital in die reichen Länder zurücküberwiesen, vor allem in die USA.
Dieser Transfer Richtung Norden werde abflauen, weil die Schwellenländer selbst größeren Investitionsbedarf hätten, so die Unternehmensberatung McKinsey im Interview.
Das globale Powerplay um die Rohstoffreserven hat eine neue Qualität erreicht: Förderländer wie China, Russland, Bolivien oder Südafrika sind sich der Macht ihrer Bodenschätze bewusst – und spielen sie zunehmend aus.
Das ist eine schwierige Situation für europäische Hightech-Branchen: Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung zeige, dass es gerade bei extrem knappen Rohstoffen wie Gallium und Germanium eng wird, die beispielsweise in der Chipproduktion benötigt werden.
Der Dollar ist eine Weltwährung auf Abruf. Die Rolle der USA als stabilisierendes Element der Weltpolitik und -wirtschaft kann derzeit aber kein anderer Staat übernehmen. Statt einer neuen Weltordnung wächst die Unordnung, wie sich in den Aufständen einzelner Staaten zeigt.
Die Staaten arbeiten jedoch nicht an einer gemeinsamen Lösung. Stattdessen verschaffen sich die wichtigsten Volkswirtschaften der Erde kurzfristige Handelsvorteile, indem sie Wechselkurse manipulieren.
Den Princeton-Historiker Harold James erinnere das in einem Essay für das manager magazin "beängstigend an das Jahr 1933".
(uqrl)