27.04.2011 - Das Thema Inflation beherrscht die Weltwirtschaft. Trotzdem haben Europäer mit anderen Sorgen zu kämpfen als Inder oder US-Amerikaner.
Der Report "Deloitte Global Economic Outlook" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat die zukünftigen Themen der wichtigsten Wirtschaftsmächte untersucht – mit folgenden Ergebnissen:
Die Eurozone ist von zwei unterschiedlichen Tendenzen geprägt: Während die Kernländer wieder erstarken, gerät die Peripherie unter Druck.
Für Kernländer wie Deutschland besteht mittelfristig erhöhte Inflationsgefahr, getrieben durch weltweit anziehende Rohstoffpreise und durch Lohnerhöhungen nach einer langen Phase der Lohnzurückhaltung.
Insgesamt sind die Aussichten für die USA durchwachsen, es besteht jedoch die Chance auf besser als erwartetes Wachstum.
Das Erdbeben in Japan oder die Unruhen im Mittleren Osten können durch ihre Auswirkungen auf globale Lieferketten und Inflationsängste einen Ausweg aus der Liquiditätsfalle der USA weisen.
Begünstigt wird diese Hoffnung durch steigende Rohstoffpreise, die die Erschließung von Inland-Erdgasvorkommen stärken.
Die jüngste Naturkatastrophe hat der angeschlagenen Wirtschaft des Landes einen weiteren Schlag versetzt, bedroht die industrielle Produktion und die Energieinfrastruktur.
Zwar sorgt der Wiederaufbau für eine bestimmte konjunkturelle Belebung. Mittelfristig sehen Experten für Japan aber die Gefahr einer Schuldenkrise, die das Ausmaß der Krise in der EU noch übertreffen könnte.
China hat vor allem ein Problem: Inflation. Steigende Nahrungsmittel- und Rohstoffpreise bedrohen Stabilität und inneren Frieden.
Die Führung konnte bislang kein klares Signal setzen. Langfristig wird die Entwicklung in China durch einen demografischen Wandel beeinflusst, der das Wachstum ähnlich wie in den Industrieländern verlangsamen wird.
Eine durchschnittliche Teuerung von knapp zehn Prozent für Nahrungsmittel stellt das Land vor Probleme – nach 20 Prozent im letzten Jahr. Gleiches gilt für den steigenden Ölpreis.
Allgemein wird für die nächste Zeit mit einer deutlichen Zinserhöhung gerechnet. Insgesamt sind Indiens Probleme langfristiger Natur und bedürfen einer nachhaltigen Lösung.
In Brasilien stellt die Inflation das größte Risiko dar. Zudem droht wegen der begehrten Rohstoffvorkommen im Land die sogenannte "holländische Krankheit" (Dutch Disease): Die hohe Nachfrage führt zu einer Währungsaufwertung, was wiederum den allgemeinen Export beeinträchtigt. Die generellen Aussichten sind aber gut.
Im BRIC-Staat Russland sind die Aussichten eher gedämpft. Laut CMS Hasche Sigle, einer Partnerschaft aus Rechtsanwälten und Steuerberatern sind die Investitionschancen für deutsche Unternehmen gut, die riskanten rechtlichen Bedingungen, der Bürokratismus und die Korruption aber gefürchtet.
(uqrl)