25.01.2011 - Für zahlreiche Mittelständler wird es immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Die Folge: drohende Umsatzeinbußen von rund 30 Milliarden Euro pro Jahr.
Das geht aus dem Mittelstandsbarometer 2011 der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervor, für das rund 3.000 deutsche Mittelständler befragt wurden.
Demnach finden deutsche Unternehmen nicht genügend gute Mitarbeiter, um ihre hervorragende Geschäftslage entsprechend auszunutzen: Drei von vier mittelständischen Unternehmen hätten Schwierigkeiten, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden.
Für jeden neunten Mittelständler sei es sogar "sehr schwierig", qualifiziertes Personal zu rekrutieren.
Eine Entspannung der Lage sei nicht in Sicht: Fast zwei Drittel der Unternehmen erwarten laut Ernst & Young, dass es in den kommenden drei Jahren noch schwieriger wird, geeignete Fach- und Führungskräfte zu finden.
Die Folge: Immer mehr Unternehmen müssten Aufträge aufgrund des fehlenden Personals ablehnen. Die Hälfte der befragten mittelständischen Unternehmen befürchte, dass ein Mangel an Top-Fachkräften zu Umsatzeinbußen für das eigene Unternehmen führen wird.
15 Prozent der befragten Unternehmen prognostizieren der Studie zufolge sogar erhebliche Einbußen von mehr als fünf Prozent.
Rechne man die nicht realisierten Umsätze hoch, so koste der Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft insgesamt rund 30 Milliarden Euro jährlich.
Besonders betroffen seien Unternehmen in Nordrhein-Westfalen mit einem entgangenen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro, gefolgt von Bayern (6,6 Milliarden Euro) und Baden-Württemberg (3,5 Milliarden Euro).
Dabei hätten große Unternehmen bessere Chancen auf geeignetes Personal als kleinere Mittelständler: Hochqualifizierte Absolventen ziehe es vor allem zu namhaften Großkonzernen.
Außerdem gebe es in kleineren Betrieben meist keine Personalabteilungen mit den entsprechenden Spezialisten. Besonders in den kleineren Unternehmen sei deshalb Kreativität bei der Mitarbeitersuche gefragt.
Die Hauptursachen des derzeitigen Mangels an Fachkräften seien nach Ansicht der Befragten im Bildungssystem zu finden: 85 Prozent der Befragten seien der Meinung, dass die Bewerberprofile und die Anforderungen der Unternehmen nicht zusammen passen.
Drei von vier Mittelständlern bemängelten die bestehenden Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Teilweise sei das Problem aber auch hausgemacht: Fast zwei Drittel der Unternehmer seien der Meinung, dass viele Mittelständler keine älteren Fachkräfte beschäftigen wollen.
Und nach Ansicht von 45 Prozent der Mittelständler würden erhebliche Potenziale nicht genutzt, weil die Unternehmen fremde Religionen und Kulturen im eigenen Haus nicht tolerieren wollten. (uqrl)