Demnach organisiert inzwischen mehr als jeder zweite Betrieb (54 Prozent) in unterschiedlichen Formen Nachhilfe im eigenen Unternehmen.
Bei den Nachhilfestunden gehe es neben Rechnen, Schreiben und Lesen immer häufiger auch um Disziplin, Teamfähigkeit und Pünktlichkeit. Die Unternehmen müssten zunehmend ausbügeln, was Elternhaus und Schule in 16 Jahren versäumt hätten, so der Verband.
Der Umfrage zufolge nutzt fast jedes dritte Unternehmen ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsagenturen. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hätten im Jahr 2009 davon 71.100 Lehrlinge Gebrauch gemacht.
Zudem hätten 31.600 junge Menschen die so genannte Einstiegsqualifizierung genutzt – mehrmonatige, bezuschusste betriebliche Praktika zur Vorbereitung auf eine Ausbildung.
Der FTD zufolge häufen sich seit einigen Jahren Klagen über die ungenügende Qualifizierung von Auszubildenden. Dem jährlichen Berufsbildungsbericht der Bundesregierung zufolge sei im Jahr 2008 fast die Hälfte der Schulabgänger (47,3 Prozent) "nicht ausbildungsreif" gewesen und habe vor der Lehre zusätzliche Förderprogramme absolvieren müssen.
Zwar sei diese Zahl gegenüber 2005 um acht Prozentpunkte zurückgegangen. Jedoch werde die Wirtschaft dem Bundesbildungsministerium zufolge schon bald jeden jungen Menschen brauchen – aufgrund von geburtenschwachen Jahrgängen.
Bereits jetzt hätten zehn bis 15 Prozent der angebotenen Lehrstellen in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel nicht besetzt werden können. Nachwuchsprobleme gebe es auch bei Klempnern, Fleischern und Gebäudereinigern.
Problematisch sei zudem, dass gut ein Fünftel aller Ausbildungsverträge vorzeitig wieder gelöst werde. (uqrl)