Unternehmer kritisieren Vorteilsnahme von Bundespräsident Wulff

Umfrage

31.01.2012 – Deutsche Unternehmer kritisieren die Vorteilsnahme des Bundespräsidenten. Sie fordern eine klare Abgrenzung zwischen Privatem und Beruflichem.

Das geht aus einer Unternehmer-Umfrage des Magazins impulse (Ausgabe 2/2012) zum Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik hervor.

Kein Verständnis für Wulff

Demnach lädt das Verhalten von Christian Wulff zunehmend Kritik von Unternehmern auf sich: "Ich habe kein Verständnis dafür, wenn Politiker Geschenke annehmen oder in den Genuss anderer Vorteile kommen", so etwa Sabine Herold, Geschäftsführende Gesellschafterin des Industrieklebstoff-Herstellers Delo und Mitglied im BDI-Präsidium. "Sie sollten sich klarmachen, dass ihre Macht nur entlehnt ist."

Obi-Gründer Manfred Maus sagte: "Ein Politiker, der ein Amt bekleidet, darf die Freiheit, die er genießt, nicht missbrauchen." Schließlich seien Politiker auch Vorbilder und ihrem Gewissen verpflichtet.

Dachser-Chef Bernhard Simon kritisierte: "Es ist generell nicht in Ordnung, wenn sich Politiker Vorteile sichern, die normalen Bürgern und Unternehmen nicht offenstehen." Das gelte für alle Amtsträger, "umso mehr für Ministerpräsidenten, Bundesminister und natürlich den Bundespräsidenten."

Austausch zwischen Wirtschaft und Politik wichtig

Das Wirtschaftsmagazin hat die Unternehmer auch zu ihrem grundsätzlichen Verhältnis zu Politikern befragt: Was ist erlaubt? Und was geht zu weit?

Das Ergebnis: Die meisten Unternehmer betonten, wie wichtig ein Austausch zwischen Wirtschaft und Politik für eine funktionierende Marktwirtschaft sei. Allerdings bedürfe es klarer Regeln und Transparenz. Außerdem dürften keine Abhängigkeiten entstehen.

Nikolai Burkart, Gesellschafter des Pflegeheimbetreibers Vitanas, sieht in der zu schlechten Bezahlung der Spitzenpolitiker den Hauptgrund für Fehlverhalten: "In dem Umfeld, in dem sich die Spitzenpolitker bewegen, können sie finanziell einfach nicht mithalten. Das ist die Wurzel des Übels."

Wenn sie 500.000 oder 600.000 Euro verdienen würden, würden solche Situationen, dass sich Politiker von Unternehmern einladen lassen, gar nicht erst entstehen. (uqrl)

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