Immer mehr ältere Deutsche überschulden sich

Privatinsolvenz

19.09.2011 – Seit Anfang 2011 geraten immer mehr Deutsche ab 60 Jahren in finanzielle Bedrängnis – sie zählen inzwischen zu den Risikogruppen bei den Privatinsolvenzen.

Das geht aus dem "Schuldenbarometer 1. Halbjahr 2011" der Wirtschaftsauskunftei Bürgel hervor. Demnach ist der Anteil der Altersgruppe ab 60 Jahren unter den Schuldnern gegenüber dem ersten Halbjahr 2010 um 8,9 Prozent gestiegen.

Damit zählten ältere Menschen seit 2011 zu den Risikogruppen – ebenso wie Niedriglohnempfänger und junge Menschen von 18 bis 25 Jahren. Die Quote der 18- bis 25-Jährigen stieg laut Bürgel gegenüber dem ersten Halbjahr 2010 um 2,5 Prozent, gegenüber dem Referenzzeitraum 2009 sogar um 51,3 Prozent.

Zahl der Privatinsolvenzen kaum gesunken

Insgesamt sei die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland im ersten Halbjahr 2011 minimal um 0,9 Prozent auf knapp 69.000 Fälle gesunken. Bürgel-Geschäftsführer Norbert Sellin: "Aktuell bewegen wir uns bei den Privatinsolvenzen nahezu auf dem Rekordniveau des Vorjahres." 

Eine Trendwende sei trotz sinkender Arbeitslosenzahlen nicht in Sicht. Bürgel rechnet im laufenden Jahr mit 138.000 bis 140.000 Privatinsolvenzen bundesweit.

In Bremen sind Privatinsolvenzen am häufigsten

Die meisten Überschuldeten pro 100.000 Einwohner lebten in Bremen (162 Fälle), Hamburg (119), Niedersachsen (110) und Schleswig-Holstein (108).

Während der Bundesdurchschnitt bei 84 Fällen je 100.000 Einwohner rangiere, stehen Bürgel zufolge Bayern mit 61 Privatinsolvenzen, Baden-Württemberg (62) und Thüringen (74) im Ländervergleich am besten da.

Nach wie vor seien die Hauptursachen für Privatinsolvenz Arbeitslosigkeit, dauerhaftes Niedrigeinkommen, gescheiterte Selbständigkeit, Trennung und Scheidung.

Außerdem tragen Bürgel zufolge mangelnde Finanzerfahrungen, unpassendes Konsumverhalten und Einkommensrückgang bzw. geringe Rücklagen dazu bei, dass sich Bürger überschulden. (uqrl)

VR-Mittelstand direkt
BLZ: