Vorname und Wohngegend beeinflussen Schufa-Bewertung

Auskunfteien

19.10.2010 - Seit dem 1. April 2010 haben rund 700.000 Deutsche ihre eigenen Daten kostenlos bei Auskunfteien wie der Schufa eingesehen. Welche Daten in diese Auskunft einfließen, lesen Sie hier.

Im Auftrag der Tageszeitung Die Welt haben zwei Testpersonen insgesamt zwölf Anträge auf Eigenauskunft an die sechs führenden Sammelstellen geschickt, an:

  • Schufa (Zahl der Datensätze: 66 Millionen) 
  • Creditreform (Zahl der Datensätze: 61 Millionen) 
  • Deltavista (Zahl der Datensätze: 45 Millionen) 
  • Bürgel (Zahl der Datensätze: 39 Millionen) 
  • Accumio Finance Services (Zahl der Datensätze: 35 Millionen) 
  • Infoscore Consumer Data (Informa - Arvato) (Zahl der Datensätze: 7,8 Millionen).

Als Datenbasis hätten den Testpersonen Name, Adresse, Alter, zwei Bankkonten und ein Mobilfunkvertrag gedient. 


Elf Auskünfte seien zurückgekommen. Das Ergebnis: Die Auskunfteien Accumio, Bürgel, Creditreform, Deltavista und Infoscore hätten entsprechend der kaum vorhandenen Daten kurze Eigenauskünfte über Name, Anschrift und Geburtsdatum geliefert.

Schlechtes Schufa-Scoring trotz weniger Daten

Die Schufa habe dagegen auch über Konto- und Kreditdaten informiert – und außerdem einen schlechten Scorewert vergeben. Dieser Wert zeigt die Rückzahlungswahrscheinlichkeit an, eine wertvolle Kunden-Information für Dienstleister und Händler. 


Die Schufa habe den Testpersonen ein "deutlich erhöhtes bis hohes Risiko" bescheinigt. Damit schätzten die Datensammler aus Wiesbaden die Kreditwürdigkeit als kaum existent ein: "Erfüllungswahrscheinlichkeit 89,75 Prozent". 


Auf Nachfrage bei der Schufa sei die Merkmalskombinationen für das Scoring ausschlaggeben: Die Kombination werde vollautomatisch mit denen anderer Personen und deren Kreditverhalten verglichen.

Wohnumfeld und Vorname können entscheiden

Auch die Auskunfteien Creditreform, Bürgel und Infoscore hätten eine Note vergeben. Auf Nachfrage bei Infoscore sei der Faktor "Zahlungsverhalten in Ihrem Wohnumfeld" in deren Berechnung als wichtigster Punkt eingeflossen. 


Geoscoring nenne sich diese Bewertung: Dabei würden Bonitätsprognosen davon abhängig gemacht, in welcher Wohngegend man lebt. Verboten seien seit April Scoring-Verfahren, die ausschließlich Anschriftendaten verwenden. 


Bei der weiteren Rechtfertigung des Scores habe Infoscore außerdem angegeben, dass Alter und damit Bonität auf Basis des Vornamens geschätzt wurden: "Die Namen ordnen wir nach eigenen Erfahrungen zu."

Besserer Score auf Anfrage: Bürgel

Laut Die Welt müssen die Auskunfteien eigentlich klar und verständlich darlegen, welche Daten in die Berechung des Scores einfließen. Die Briefe der Datensammler erfüllten diese Voraussetzung jedoch kaum. 


Kaum verständlich mute etwa der Fall Bürgel an. Laut erhaltener Eigenauskunft hätten die Hamburger "zu Ihrer Person keine Daten auf der Bürgel-Datenbank gespeichert". Dennoch habe das Unternehmen im Test einen Wahrscheinlichkeitswert mit 2,6 angegeben. Das entspreche einer Zahlungswahrscheinlichkeit von 90,2 Prozent. 


Dann aber seien die Testpersonen überrascht worden: Auf Nachfrage, was denn getan werde könne, um die Note zu verbessern, habe es schriftlich geheißen: "Um Ihrem Wunsch nach einem niedrigeren Scorewert entsprechen zu können, haben wir, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, Daten zu Ihrer Person auf die Bürgel-Datenbank übernommen." 


Gemeint seien Name, Adresse, Geburtsdatum und der Hinweis "Zahlungserfahrung: ohne Beanstandung". Diese Informationen hätten vorher bereits vorgelegen, seien aber von Bürgel nicht gespeichert worden. 


Nach der Speicherung laute der Scoring-Wert von Bürgel: Score 1,2 – und eine Zahlungswahrscheinlichkeit von 98,4 Prozent.

Rechnungen pünktlich zahlen und Kredite regelmäßig bedienen

Nach Meinung von Verbraucherschützern seien die Auskünfte häufig völlig willkürlich und das Score-Verfahren ein statistisches Vorurteil. Die jeweiligen Algorithmen fielen unter das Betriebsgeheimnis der Auskunfteien. 


Die einfachste Regel für einen guten Score-Wert sei, Rechnungen fristgerecht zu bezahlen. Daneben gebe es nur grobe Anhaltspunkte: Je jünger ein Mensch, desto schlechter seine Kreditwürdigkeit. Der Grund: Ihm werde eine geringe Erfahrung mit Finanzthemen unterstellt. 


Misstrauen schafften außerdem viele erst kürzlich abgeschlossene Verträge, ob mit dem Kreditinstitut oder dem Mobilfunkanbieter. Kredite würden dagegen nicht zwangsläufig schaden: Würden sie stets pünktlich bedient, könne auch hier das Mehr an Erfahrung zählen. (uqrl)

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